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Rückenschmerzen


Themenspecial Rücken

Rückenschmerzen seien ein Symptom, aber keine Krankheit – das hören sehr häufig Patienten, die mit Rückenschmerzen zum Arzt gehen. Denn in den meisten Fällen haben die Rückenschmerzen keine physische Ursache, sondern sie sind Folge einer anderen Erkrankung. In den allermeisten Fällen haben Rückenschmerzen sowohl körperliche als auch seelische Ursachen. Wir wollen Ihnen hier ein paar Informationen geben, wie Sie Ihre Wirbelsäule aufrecht durch den Tag begleitet und wie Sie sie beweglich halten und entlasten können.


Ursachen

Wer nach den Ursachen für Rückenschmerzen fragt, bekommt viele verschiedene Antworten: Mal hat sich der Patient einseitig bewegt, oder besser nicht bewegt und z.B. stundenlang am PC gesessen. Mal schoss der Schmerz beim schweren Heben ins Kreuz. Dann ist ein Bandscheibenvorfall oder eine Nervenentzündung schuld an den Schmerzen. Auch Skeletterkrankungen wie „Morbus Scheuermann“ können Beschwerden im Rücken verursachen. Meistens lässt sich die Ursache trotz modernster Diagnosetechniken nicht eindeutig feststellen.

Inzwischen hat sich die ärztliche Meinung durchgesetzt, dass die Psyche einen großen Anteil an den Ursachen von Rückenschmerzen hat. Experten gehen davon aus, dass die Schmerzen einen körperlichen Auslöser haben, der dann durch psychische Faktoren verstärkt wird.

Auch beim Behandeln der Schmerzen scheint die Psyche einen Einfluss darauf zu haben, ob der Rückenschmerz ganz von alleine verschwindet oder chronisch wird. Denn man hat festgestellt, dass Menschen, die unter Depressionen leiden, ein erhöhtes Risiko für Rückenschmerzen haben. Auch z. B. Stress oder eine ungeliebte Arbeit erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Kreuzschmerzen.


Diagnose

Um Rückenschmerzen individuell richtig zu behandeln, müssen im Gespräch mit Ihrem Arzt zunächst einmal folgende Fragen geklärt werden:

  • Wann und wie traten die Rückenschmerzen zum ersten Mal auf? Zeigten sich die Schmerzen plötzlich oder allmählich?
  • Wann kommen die Rückenschmerzen, z.B. nachts, in Ruhe oder bei Belastung?
  • Welche Faktoren lösten bzw. lösen die Rückenschmerzen aus, z.B. Unfall, körperliche oder seelische Belastungen - oder treten die Schmerzen spontan auf?
  • Welche Faktoren verstärken bzw. lindern die Rückenschmerzen, z.B. Körperhaltung, Lage, Bewegung - oder sind die Rückenschmerzen von der Körperhaltung unabhängig?
  • Haben Sie zusätzlich Empfindungsstörungen?
  • Strahlen die Schmerzen in andere Körperregionen aus?
  • Wie häufig nehmen Sie Schmerzmittel ein und wie heißen die Präparate?
  • Helfen Ihnen die Medikamente?
  • Wie lange sind Sie mit den Medikamenten schmerzfrei?
  • Welche Krankheiten hatten Sie im Laufe Ihres Lebens?
  • Hatten Sie Knochenbrüche?
  • Leiden Sie zurzeit noch unter anderen Krankheiten, z.B. Osteoporose, Tumoren, chronisch entzündliche Darmerkrankungen?
  • Haben Sie auch Beschwerden, die nichts mit der Wirbelsäule zu tun haben, z.B. Fieber oder Gewichtsverlust?

Erst dann werden die ersten Behandlungsschritte in Zusammenarbeit mit Fachärzten und spezialisierten Therapeuten geplant.


Therapie nach dem Baukastenprinzip - OP selten notwendig

In den letzten Jahren hat sich in der Behandlung von Rückenschmerzen die Erkenntnis durchgesetzt, dass der langfristige Effekt einer Operation häufig nicht besser ist als bei einer konservativen, nicht-operativen Behandlung. Nur dann, wenn Taubheitsgefühle, Schmerzen, Schwäche oder Lähmungen in den Beinen auftreten oder sogar einige Organe nur eingeschränkt funktionieren, kann individuell zu einer Operation geraten werden.

Wenn nicht operiert werden soll, werden verschiedene Therapieformen gemeinsam zu einer deutlichen Besserung der Rückenbeschwerden führen. Dazu zählen u.a. 

  • Krankengymnastik
  • Maßnahmen der physikalischen Medizin und
  • Entspannungstechniken.

Die Kombination von mehreren Therapieformen hat einen sehr viel höheren Effekt als die einzelnen Therapien allein. Diese Therapiekombination wird sogar noch effektiver, wenn sie durch Verhaltenstherapie zur Schmerzlinderung ergänzt wird. Einen großen Effekt hat auch eine Gewichtskontrolle bzw. Gewichtsreduktion. Denn wenn weniger Gewicht auf dem Muskel-Skelett-System liegt, werden die Knochen, Gelenke, Muskeln und Bandscheiben entlastet und können sich langfristig erholen.

Unser Buchtipp

Sie wollen Rückenschmerzen vorbeugen oder in den Griff zu bekommen? Das Rückenbuch der Stiftung Warentest zeigt, wie der Rücken aufgebaut ist, woher Beschwerden kommen können, in welchen Fällen man sich selbst helfen kann und wann ein Arztbesuch nötig ist. Und es plädiert für eine bewegte Alltagsgestaltung, denn der Rücken ist für Bewegung gebaut und will bewegt werden.

Angaben zum Buch: Sabine Keller „Das Rückenbuch“, 256 Seiten, Format: 17,1 x 23,1 cm, ISBN: 978-3-86851-115-4, 19,90 Euro


Schmerzen bewältigen

Rückenschmerzen tauchen häufig zusammen mit Muskelverspannungen auf, die den Schmerz verstärken können. Daraus kann Schmerzkreislauf entstehen, denn wenn einzelne Muskelbereiche angespannt sind, ziehen andere Muskelbereiche nach und spannen ebenfalls an. Wenn es dann an der notwendigen Entspannung fehlt, können nicht nur kleine Muskeln sondern auch größere Muskelflächen oder fast der gesamte Rücken verspannt und versteift sein. Wenn die Schmerzen als zu stark empfunden werden, nimmt der Körper oft in eine Abwehr- und Schonhaltung ein: Es entsteht eine Fehlhaltung, die weitere Muskelverspannungen erzeugt.

Schmerzkreislauf (Quelle: www.netdoktor.de)

Die IKK Nord bietet in ihren regionalen Präventionscentern u.a. Kurse zum Erlernen von Entspannungstechniken, z.B. die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, an. Die Entspannungskurse können sowohl von Personen mit Beschwerden als auch von Gesunden zur Vorbeugung genutzt werden.


Vorbeugen: Locker und aktiv

Die wichtigste Regel lautet: Bleiben Sie aktiv und bewegen Sie sich, wo immer es geht. Nehmen Sie z.B. die Treppe statt des Aufzuges. Wenn Sie sitzen, wechseln Sie ab und zu die Sitzposition. Gehen Sie öfter mal zu Fuß – und dabei bewegen Sie Ihre Arme bewusst mit. Sie sorgen dafür, dass die Wirbelkörper gegeneinander bewegt werden und die kleinen Muskeln zwischen den Wirbeln in Bewegung geraten. Die Bewegung sorgt dafür, dass sie gut durchblutet werden und entspannen können.

Auf der folgenden Seite haben wir für Sie ein paar Übungen vorbereitet. Wenn Sie die in Ihren Alltag einbauen, dann stärken Sie Ihren Rücken und beugen zukünftigen Rückenbeschwerden vor.

Zusätzlich haben wir hier noch ein paar Tipps zusammengestellt, wie Sie in ganz alltäglichen Situationen Ihre Wirbelsäule entlasten und beweglich halten. Dabei sehen wir den Körper als Ganzes: Wenn an einer Stelle eine Verspannung auftritt, setzt sie sich zumeist in kurzer Zeit in den Rest des Körpers weiter fort. So sorgen z.B. verspannte Wadenmuskeln für eine Verspannung im Hals- und Schulterbereich!

  • Schuhe
    Am gesündesten geht es sich barfuß oder sockfuß. Das geht natürlich nicht immer, doch Sie sollten jede Gelegenheit nutzen, ohne Schuhe zu laufen. Das sorgt für Bewegung in den Füßen und stärkt die kleinen Muskeln zwischen den Fußknöchelchen und außerdem so ganz nebenbei die Wadenmuskeln. Speziell Frauen sollten darauf achten, dass sie immer mal zwischen hohen und flachen Absätzen wechseln, damit die Füße und Beine immer mal wieder anders belastet werden.
  • Stehen
    Wer lange stehen muss, sollte immer mal wieder das Standbein wechseln. Auch eine kleine Fußstütze leistet gute Dienste, damit sich das Becken aufrichten und die Wirbelsäule entspannen kann.
  • Sitzen
    Verändern Sie, wenn Sie täglich lange sitzen, möglichst häufig Ihre Sitzposition. Das sorgt für Bewegung in der Wirbelsäule und beugt Verspannungen vor. Denn Verspannungen kann es auch geben, wenn Sie lange bewusst aufrecht sitzen!
  • Heben und Tragen
    Wenn Sie schwere Lasten, z.B. gefüllte Getränkekisten, tragen wollen, verteilen Sie das Gewicht gleichmäßig auf beide Arme und tragen Sie solche schweren Dinge nah am Körper.
  • Radfahren
    Wenn Sie häufig Fahrrad fahren, verwenden Sie ein Rad mit Vollfederung. Diese Federung sorgt dafür, dass Unebenheiten auf der Fahrbahn abgefangen werden und nicht bis in die Wirbelsäule weiter geleitet werden.
  • Autofahren
    Speziell lange Autofahrten sind Gift für den Rücken. Also sollten Sie unbedingt ab und zu eine Bewegungspause einlegen. Damit sorgen Sie nicht nur für eine Entspannung des Rückens sondern gleichzeitig auch noch für eine Aktivierung Ihres Kreislaufs. Stellen Sie Ihren Fahrersitz so ein, dass Ihr Gesäß ganz an der Rückenlehne angelehnt ist. Achten Sie auf einen offenen Winkel zwischen Beinen und Bauch und so viel Abstand, dass die Knie und die Ellbogen jeweils leicht gebeugt sind. Sie sollten sich vom Sitz gut unterstützt fühlen.
  • Schlafen
    Mittelharte Matratzen, die auf Ihr Körpergewicht abgestimmt sind, sind zum entspannten Schlafen am meisten geeignet. Auch Wasserbetten sorgen für einen entspannten Schlaf. Paare sollten sich jeder eine eigene Matratze anschaffen, damit beide gut schlafen können und nicht durch die Bewegungen des anderen gestört werden.

Unser Fazit ist, es gibt keine richtigen oder falschen Bewegungen. Sie können auch kleinere Gegenstände mit gestreckten Knien vom Boden aufheben und sollten sich auch im Sitzen ab und zu drehen. Trauen Sie sich, Ihr Rücken sagt Ihnen schon, wann es ihm zuviel wird!


Sportarten zur Rückenstärkung

Unser wichtigster Tipp gegen Rückenschmerzen lautet „Bewegung – Bewegung – Bewegung“. Selbst „in kleinen Dosen“ sorgt Bewegung dafür, dass die Muskeln arbeiten. Und wenn die Muskeln während der Bewegung immer mal wieder angespannt und gelockert werden, haben sie gar keine Gelegenheit zu verspannen. Im Alltag ist der häufigere Positionswechsel beim Sitzen und Stehen, die Treppe statt des Aufzuges zu nehmen und der kurze, flotte Spaziergang, wenn man eine Haltestelle früher als normal aus dem Bus steigt.

Sportarten, die geeignet sind, Rückenschmerzen vorzubeugen bzw. akute Rückenschmerzen zu beheben, sind u.a. folgende:

  • Gerätetraining und Fitness
    Wer eine starke Rumpfmuskulatur hat, hat seltener und weniger Rückenschmerzen. Mit Krafttraining und Fitnessübungen lassen sich die Muskeln von Rücken und Bauch auf Trab bringen. Wenn Sie allein zuhause trainieren wollen, benötigen Sie schon viel Eigeninitiative und eine hohe Motivation – aber wer ist nicht motiviert, wenn er merkt, dass die Schmerzen weniger werden oder sogar ganz weggehen. Dazu bieten sich kleine Fitnessgeräte wie der Gymnastikball, das Theraband, das Rubberband, Mineralwasserflaschen (statt Hanteln) an. Wir haben ein paar
    Übungen für den Rücken für Sie zusammengestellt, die Sie allein zuhause durchführen können.
    Wenn Sie nicht allein trainieren wollen, sollten Sie sich ein Fitness-Studio in Ihrer Nähe suchen. Probieren Sie ruhig zwei oder drei Studios aus und schauen Sie, wie es Ihnen dort gefällt: Ist die Atmosphäre sympathisch? Gibt es zusätzlich zum Gerätetraining ein Kursangebot, was Sie vielleicht nutzen möchten? Und gibt es eine angeschlossene Sauna zur wärmenden Entspannung nach dem Training?
  • QiGong
    QiGong zählt zu der Traditionellen Chinesischen Medizin und wird heute auch zur Behandlung von Rückenschmerzen eingesetzt. QiGong ist eine Sammlung von mehr als 2.000 Übungen, die darauf ausgerichtet sind, durch Meditation und Bewegung Körper, Geist und Seele zu harmonisieren und zu stärken. Das Wort setzt sich aus "Qi" (Lebenskraft) und "Gong" (beharrliches Üben) zusammen. Die Übungen bestehen aus meditativen Bewegungsabläufen, Dehnungspositionen, Atem- und Visualisierungsübungen. Es sind meist langsame, fließende Bewegungen, die auch geschwächte Menschen durchführen können. Teilweise werden sie im Sitzen oder sogar Liegen ausgeführt. Im IKK Nord-Kursprogramm bieten wir auch QIGong-Kurse und -Schnupperkurse an.

Downloads und weiterführende Informationen im Internet

Von der AGR – Aktion gesunder Rücken e.V. – wurden folgende Übungsanleitungen zur Vorbeugung von Rückenbeschwerden erstellt und Ihnen zum Download zur Verfügung gestellt:

Wenn Sie sich über Rückenbeschwerden und über die Behandlung von Rückenbeschwerden noch weiter informieren möchten, stehen Ihnen u.a. die folgenden Webseiten zur Verfügung:


Haben Sie Fragen?

Ihre Fragen beantworten unsere Kundenberater in den Servicecentern der IKK Nord gerne persönlich oder am Telefon (Kontaktdaten). Oder Sie senden einfach eine
verschlüsselte E-Mail mit dem vorbereiteten Kontaktformular.