#diagnosenorddeutsch Menstruationstasse

Menstruationstasse

Menstruationstassen - Fotohinweis: © adragan stock.adobe.com

In den sozialen Medien werden längst nicht mehr nur Essensbilder und Katzenvideos geteilt. Sie dienen mittlerweile als Plattform für breite gesellschaftliche Diskussionen, das Aufdecken und Hinweisen auf Missstände und helfen dabei, Bewusstsein für wichtige Themen zu schaffen. So konnten beispielsweise Feministen auf die Stigmatisierung der Regelblutung aufmerksam machen.

Die gesteigerte Wahrnehmung der Thematik führte schnell zu erlebbaren Veränderungen: Während früher nur die Wahl zwischen Tampon und Binde blieb, ist die Produktpalette für Monatshygieneartikel bis heute rasant gewachsen. Dank der seit einiger Zeit verlaufenden Sensibilisierung für Umweltthemen findet der Nachhaltigkeitsgedanke in immer mehr Produkten Einzug. Neben den wiederverwendbaren Varianten von Tampons und Binden in den unterschiedlichsten Formen, zum Beispiel als Stoffröllchen oder Schwamm, finden interessierte Nutzerinnen mittlerweile auch spezielle, saugfähige Menstruationsunterwäsche in den Regalen der Drogerie. Keines der Alternativprodukte hat allerdings einen derartigen Siegeszug hingelegt, wie die Menstruationstasse.

Die Menstruationstasse ist sicherlich nicht das angepriesene Wundermittel für alle Menstruierenden. Jeder hat individuelle Bedürfnisse und Gewohnheiten, zu denen nicht jedes Produkt passt. Im ersten Moment können alternative Monatshygieneartikel befremdlich wirken. Dennoch lohnt es sich, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und Alternativen auszuprobieren. Schlussendlich muss jede Frau selbst das richtige Produkt für sich finden. Da die Menstruationstasse auf besonders viel Zustimmung stößt, soll sie im folgenden Artikel näher beleuchtet werden. Bei Ihrem Frauenarzt können Sie sich über alle anderen Alternativprodukte informieren. Tipp: Denken Sie bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung auch an den Stempel für Ihr IKK Nord-Bonusheft. Hier können Versicherte einen Bonus von bis zu 300 Euro erhalten.

Fassungsvermögen größer als gedacht

Menstruationstassen sind meist kegelförmig und aus medizinischem Silikon oder Latex gefertigt. Wie bei gewöhnlichen Monatshygieneprodukten sollten die Hände vor dem Einführen gewaschen werden. Die kleinen Hütchen werden gefaltet und wie Tampons vaginal eingeführt. Dort entfalten sie sich wieder und erzeugen einen leichten Unterdruck. Das Periodenblut kann so nicht vorbeilaufen und wird im Becher aufgefangen. Um ein problemloses Einführen zu ermöglichen, können unterschiedliche Falttechniken ausprobiert oder die Tasse befeuchtet werden. Mit silikon- beziehungsweise latexfreundlichem Gleitmittel kann ebenfalls nachgeholfen werden.

Das Fassungsvermögen beträgt je nach Hersteller zwischen 10 und 38 ml. Anders als häufig angenommen und suggeriert, verliert der Körper während der Periode insgesamt nur zwischen 30 und 60 ml Blut. Die Tasse kann deshalb bis zu 12 Stunden am Stück getragen werden, also auch über Nacht. Es empfiehlt sich allerdings, sie regelmäßig und frühzeitig auszuleeren.

Reinigung unterwegs möglich

Der Anblick des eigenen Blutes, manchmal bereits der Gedanke daran, verschreckt viele im ersten Moment. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase lässt dieses Gefühl meist nach und es entwickelt sich eine Routine im Umgang mit dem neuen Hygieneprodukt.

Zum Entleeren wird der Rand der Tasse leicht mit dem Finger eingedrückt und an der Rückholschlaufe gezogen. Das Blut kann einfach in die Toilette geschüttet und die Tasse mit Wasser und milder Seife gesäubert werden. Auch die Reinigung unterwegs ist kein Problem: Sollte die Toilette über kein Waschbecken verfügen, kann eine kleine Wasserflasche in der Kabine Abhilfe schaffen. Mittlerweile gibt es aber auch spezielle Feuchttücher.

Vor der ersten Anwendung und am Ende jedes Zyklus muss man die Menstruationstasse für mindestens fünf Minuten auskochen, um alle potenziellen Erreger zu entfernen. Ein kleiner ausgedienter Kochtopf, in dem sonst nichts mehr zubereitet wird, eignet sich dafür gut. Viele Hersteller legen eine Box oder ein Säckchen zur Lagerung bei. Vor dem nächsten Einsetzen sollte das Hygieneprodukt dann nochmals kurz ausgekocht werden.

Studie zeigt Vorteile

In einer Metaanalyse mit 43 einbezogenen Studien berichtet die Forschergruppe um van Eijk, dass viele Anwender zunächst Bedenken bezüglich Größe, Auslaufrisiko und Sicherheit hatten. Die Befragten sorgten sich, dass die auf sie groß wirkende Tasse Schmerzen auslösen würde. Tatsächlich gab es nach der Gewöhnungsphase nur selten derartige Probleme. Die Sorge vor dem Auslaufen war ebenfalls unbegründet: Es gab nicht mehr Vorfälle als mit anderen Monatshygieneprodukten. Einige berichteten sogar von weniger unerwünschten Zwischenfällen.

Die Forschergruppe konnte darüber hinaus kein erhöhtes Infektionsrisiko durch die Verwendung von Menstruationstassen finden. In einigen Fällen konnte sogar die Verringerung der Gefahr einer Infektionskrankheit durch bestimmte Pilze (Candidose) aufgezeigt werden. Die Silikonhütchen trocknet die Scheide, anders als Tampons und Binden, nicht aus und greift damit den natürlichen Schutzschild nicht an.

Das Risiko für ein toxisches Schocksyndrom, das durch spezielle Staphylokokken-Bakterien ausgelöst wird, ist bei falscher Anwendung ähnlich hoch wie bei Tampons. Dieses liegt daran, dass sich die Bakterien zwar nicht auf der Silikonoberfläche vermehren können, wohl aber im aufgefangenen Blut. Obwohl sie bis zu 12 Stunden dicht halten kann, empfiehlt es sich aus diesem Grund, die Menstruationstasse regelmäßig zu entleeren und gründlich zu säubern.

Toxisches Schocksyndrom

Das toxische Schocksyndrom (TSS) ist eine sehr seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung. Sie wird durch Staphylokokken ausgelöst, die zur Haut- und Schleimflora gehören. Ein bestimmter Staphylokokken-Stamm bildet besondere Giftstoffe (Toxine), auf die der Körper stark reagiert. Die typischen Symptome sind Fieber, Blutdruckabfall und fleckenförmige Hautausschläge. Als unspezifische Symptome können Schwindel, Synkopen (Kreislaufkollaps), Schüttelfrost und Kopfschmerzen auftreten.

Die Erkrankung kann jeden treffen. Frauen haben mit 90 Prozent der Fälle zwar den größten Anteil, aber auch Männer und Kinder können erkranken. Bei jungen Frauen und Mädchen tritt das Schocksyndrom meist im Zusammenhang mit der Verwendung von Tampons auf. Daher wird es umgangssprachlich als „Tamponkrankheit“ bezeichnet. Wegen der sich stetig erhöhenden Aufnahmefähigkeit müssen die Produkte nur selten gewechselt werden. Mit zunehmender Tragedauer verbessern sich allerdings die Bedingungen für die Staphylokokken und deren Toxinbildung. Andere Risikofaktoren sind Schädigungen der Haut, wie z.B. Verbrennungen, Schnitte oder Wunden, Atemwegsinfektionen und mechanische Verhütungsmittel (Scheidendiaphragma). Bei Verdacht sollte umgehend der Rettungsdienst informiert und der mögliche Auslöser, etwa der Tampon, entfernt werden.

Umstieg kann sich lohnen

Es benötigt einige Zeit und Motivation, um sich an das neue Hygieneprodukt zu gewöhnen. Für die Übergangszeit und zur Verringerung der Angst vor ausgelaufenem Blut bietet es sich an, parallel eine Binde zu tragen. Denkbar ist ebenfalls, die Tasse nur Zuhause oder bei leichten Tagen zu verwenden und in allen anderen Fällen auf das gewohnte Produkt zurückzugreifen.

Ist der Umstieg einmal geschafft, wollen viele Frauen die Menstruationstasse nicht mehr missen, so die Ergebnisse der Forscher. Das liegt daran, dass die Tassen laut Herstellerangaben bis zu 10 Jahre verwendet werden können. Mit einem Preis von ungefähr 15 bis 20 Euro zahlt sich der Wechsel finanziell relativ schnell aus. Nicht nur für junge, preis- und umweltbewusste Frauen kann sich der Umstieg lohnen. Die Menstruationstasse wird in unterschiedlichen Größen und Formen angeboten. So gibt es für die meisten Bedürfnisse, beispielsweise auch für die Zeit nach der Entbindung, ein passendes Produkt.

Da bei der Verwendung der Menstruationstasse ein Unterdruck entsteht, kann die Position von Spiralen, die zur Verhütung eingesetzt wurden, beeinflusst werden. Die IKK Nord rät ihren Versicherten dazu, vor dem Umstieg auf ein neues Produkt, ganz egal, ob es sich dabei um die Menstruationstasse, das Menstruationsschwämmchen oder weitere Alternativen handelt, mit ihrem Frauenarzt zu sprechen. Dazu bietet die jährliche Krebsvorsorgeuntersuchung eine gute Gelegenheit. Sprechen Sie dabei gleich auch die Gebärmutterhalskrebsimpfung an. Normalerweise wird diese bis zum 18. Lebensjahr erstattet. Als besonderes Angebot übernimmt die IKK Nord die Impfung für ihre Versicherten sogar noch bis zum 26. Lebensjahr.

#diagnosenorddeutsch: aktuelle Gesundheitsthemen

Im Rahmen von #diagnosenorddeutsch behandelt die IKK Nord Gesundheitsthemen, die für die Menschen im Norden jetzt wichtig sind und geben Tipps, die im Alltag einfach umzusetzen sind.

 

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