#diagnosenorddeutsch Zahnpflege

Gesundheit beginnt im Mund

Rothaarige Frau mit schönem Lächeln - Fotohinweis: © CoffeeAndMilk iStock.com

Welche Zahnbürste putzt besser

Elektrisch oder manuell

Gibt es eigentlich eine universelle Lösung für richtiges Zähneputzen? Und gibt es eine Bürstenart, die für alle gleichermaßen empfohlen werden kann? Zwar hat jeder seine individuelle Putztechnik, doch aktuelle Studien geben interessante Aufschlüsse darüber, wie Zahnstein oder gar Zahnverlust verhindert werden können.

Zahnstein kann zu Zahnverlust führen

Die Empfehlungen zur Mundhygiene sind unterschiedlich. Einig sind sich aber die Experten, dass regelmäßiges Zähneputzen hilft, den Zahnbelag (Plaque) und damit auch Zahnstein zu verringern. Zahnbelag bedingt die Ansiedlung von Bakterien, die die Zahnsubstanz schädigen und Karies verursachen. Zahnstein führt zu Entzündungen des Zahnfleischsaumes (Gingivitis), kann Parodontitis verursachen und letztlich zum Zahnverlust durch Zahnlockerung führen.

Studie zeigt: Elektrische Zahnbürsten fördern Zahnerhalt

So kommen Greifswalder Zahnmediziner in einer Studie aus 2019 zu dem Ergebnis, dass die Verwendung einer elektrischen Zahnbürste Zahnverlust am besten verhindern kann. Prof. Dr. med. dent. Thomas Kocher1 untersuchte mit seinem Team über einen Zeitraum von 11 Jahren den Effekt einer elektrischen Zahnbürste auf die parodontale Gesundheit, Karies und Zahnverlust bei Erwachsenen.

Der Leiter der Paradontologie erklärt die Studie in einfachen Worten:

"Wir überprüften in einer 11-Jahres-Längsschnittwirkung den Effekt einer elektrischen Zahnbürste auf die parodontale Gesundheit, Karies und Zahnverlust beim Erwachsenen in der Gesundheitsstudie Study of Health in Pommerania an 2819 Teilnehmern. Der Einfluss von Ausbildung, Rauchen, Sozialstatus, Häufigkeit der Zahnarztbesuche etc. wurde statistisch herausgerechnet. Die Anwendung von elektrischen Zahnbürsten stieg innerhalb von 11 Jahren von 18% auf 37% an."

Dabei kam er mit seinem Team zu dem Ergebnis, dass eine elektrische Zahnbürste der Zahngesundheit langfristig zuträglicher ist als eine manuelle Bürste:

"Anwender von elektrischen Zahnbürsten verloren im Mittel 19% weniger Zahnhalteapparat und 20% weniger Zähne als Probanden, die manuell putzten. Langfristig scheint eine elektrische Zahnbürste das Fortschreiten einer Parodontalerkankung zu verringern und den Zahnerhalt zu fördern."

Wahl der Zahnbürste

Ideal für eine Handzahnbürste ist ein kurzer Kopf. Dessen Borsten sollten aus Kunststoff sein und abgerundete Ecken haben. Die Zahnbürste wendet man am besten mit Hilfe der sogenannten Bass-Technik an: Dazu wird die Bürste im 45-Grad-Winkel am Zahnfleischrand aufgesetzt und leicht gerüttelt. Die Bürste wandert nun mit sanftem Druck vom Zahnfleisch in Richtung Zähne.

Bei elektrischen Zahnbürsten gibt es unterschiedliche Modelle: Ihre Bürstenköpfe sind rund oder länglich, sie oszillieren, rotieren oder pulsieren. Die Schallzahnbürste besitzt einen länglichen Bürstenkopf, erfasst mehrere Zähne auf einmal und arbeitet mit Vibrationen. Sie wird ebenfalls im 45-Grad Winkel am Zahnfleischrand aufgesetzt und sanft vom Zahnfleisch zu den Zähnen bewegt. Auch die Rundkopfbürste wird sanft aufgesetzt. Mit ihr arbeitet man sich gründlich von Zahn zu Zahn und von Fläche zu Fläche vor. Sie hat den Vorteil, dass sie gut die hinteren Backenzähne erreicht.

Richtig Putzen

Eine richtige und maßgeschneiderte Putztechnik gibt es nicht, da jedes Gebiss anders ist. Aus Sicht der meisten Zahnärzte wird empfohlen, die Zähne konzentriert, systematisch und gründlich zu putzen und sich nicht allein auf die Dauer zu fokussieren. Zweimal täglich für drei Minuten die Zähne putzen, darin sind sich alle einig.

Test: Wer genau wissen will, ob er richtig geputzt hat, kann sich ein Färbemittel aus der Apotheke holen, das den restlichen Zahnbelag anzeigt – und wird staunen.

Das Zahnteam der IKK Nord empfiehlt: Ob nun die klassische Handzahnbürste oder ein High-Tech-Produkt – die Zahnoberflächen müssen sich nach dem Putzen glatt und sauber anfühlen. Auch sollten einmal am Tag die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder einem Interdentalbürstchen gereinigt werden. Denn gerade hier siedeln sich viele krankmachende Keime an.

Wie viele Zahnärzte auch, rät das Zahnteam zu einer fluoridhaltigen Zahnpasta, weil das Fluorid den Zahnschmelz härtet und die Zähne so wirksam vor Karies schützt.

So sorgen Sie für einen gesunden Mund

  1. Besser eine weichere Bürste nehmen und lieber den Zahnarzt oder den Prophylaxeassistenten in der Praxis fragen, welcher Härtegrad für die individuellen Bedürfnisse ideal ist.
  2. Jedes Gebiss ist anders, daher möglichst zweimal täglich etwa drei Minuten achtsam putzen und dabei konzentriert, systematisch und gründlich vorgehen.
  3. Es müssen alle Zähne von allen Seiten geputzt werden und das kann dauern, wenn man es gründlich macht. Immer mit der Reinigung der Zahnzwischenräume mit Interdentalbürstchen oder Zahnseide anfangen, danach die Innenflächen der Zähne, dieser Bereich wird genau wie der Zahnfleischansatz oft vernachlässigt, anschließend die Außenflächen und zum Schluss die Kauflächen reinigen.
  4. Regelmäßig alle sechs Monate zur Vorsorge in die Zahnarztpraxis gehen.
  5. Einmal im Jahr die Zähne professionell reinigen lassen. Versicherte der IKK Nord erhalten die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung (PZR) bis maximal 100 Euro im Jahr erstattet.
  6. Viel Positives kann über die Ernährung erreicht werden, denn Zähne müssen sprichwörtlich "etwas zu beißen haben". Das kräftige Kauen von Vollkornprodukten und rohem Obst und Gemüse festigt die Zähne gleichermaßen, indem es den Speichelfluss anregt, so die Zahnzwischenräume reinigt und die Ablagerung von Plaque verhindert.

#diagnosenorddeutsch: aktuelle Gesundheitsthemen

Im Rahmen von #diagnosenorddeutsch behandelt die IKK Nord Gesundheitsthemen, die für die Menschen im Norden jetzt wichtig sind und geben Tipps, die im Alltag einfach umzusetzen sind.

 

Prof. Dr. med. dent. Thomas Kocher ist Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie, Endodontologie, Kinderzahnheilkunde und präventive Zahnmedizin im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in der Universitätsmedizin zu Greifswald.

Fotohinweis: © CoffeeAndMilk iStock.com/(Heroimage Seitenkopf), © Stefano Garau stock.adobe.com (Absatz "Wahl der Zahnbürste")

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