FSME und Borreliose

FSME und Borreliose

Zecke mit Zeckenkarte - Fotohinweis © Astrid08 PantherMedia.net

Krankheiten, die von Zecken übertragen werden

Durch die alljährlichen Aufrufe in den Medien, man solle sich gegen FSME (Früh-Sommer-Meningoenzephalitis = Hirnhautentzündung) impfen lassen, ist diese Zeckeninfektion in der Bevölkerung gut bekannt. Zecken mit FSME halten sich in bestimmten Gebieten auf, vor denen mit „Zecken-Landkarten“ immer gewarnt wird. Dagegen ist die Lyme-Borreliose eine noch recht unbekannte Krankheit, die durch die Schildzecke, auch gemeiner Holzbock genannt, übertragen wird. Berichte über Patienten mit Lyme-Borreliose gibt es aus nahezu allen Ländern in Europa und Asien, sowie aus mehr als 40 Staaten von Amerika. Offizielle Schätzungen gehen davon aus, dass in Mitteleuropa je nach Region bis zu 40 % durchseucht sind. Die Krankheit tritt im gesamten Bundesgebiet auf. Die Lyme-Borreliose ist - anders als FSME - nicht meldepflichtig. Schätzungsweise erkranken allein in Deutschland 30.000 - 40.000 Menschen Jahr für Jahr.

Aber wie können Sie sich vor den Folgen eines Zeckenstiches (umgangssprachlich: Zeckenbiss) und solchen Erkrankungen schützen? Hierzu gibt es auf der Seite Tipps bei Zeckenstichen kostbare Infos, wie Sie sich vor Zeckenstichen schützen können und was Sie beachten müssen.

FSME und Borreliose - völlig unterschiedlich

FSME ist eine fieberhafte Hirnhautentzündung, die durch Viren übertragen wird. Sie kann lebensbedrohlich werden. Erste Anzeichen sind grippeähnliche Symptome, wie Fieber um 39 Grad, Glieder- und Kopfschmerzen. Bei über 90 % der Erkrankungen ist damit alles überstanden. Bei 10 % der Betroffenen kommt es nach einer beschwerdefreie Phase von rund 3 - 8 Tagen zu einer zweiten Erkrankungsphase, in der das FSME-Virus das zentrale Nervensystem befällt; betroffen sind u.a. Hirnhäute und das Hirngewebe. Jeder fünfte klagt nach überstandener Krankheit über Restsymptome. Seit 1976 gibt es einen Impfstoff gegen FSME und RSSE (die gefährliche östliche Variante) mit der man sich vor dieser Krankheit schützen kann. Eine Behandlung mit Antibiotika ist nicht möglich.

Die Lyme-Borreliose, auch Wanderröte genannt, ist eine bakterielle Erkrankung mit nicht selten chronischem Verlauf. Lyme ist eine Stadt im US-Staat Connecticut, in der 1975 bei Kindern und Erwachsenen gehäuft Arthritis-Erkrankungen auftraten, die mit zurückliegenden Zeckenstichen in Verbindung gebracht werden konnten. Erst seit 1983 weiß man, dass der Erreger das Bakterium „Borrelia burgdorferi“ ist. Der spiralförmige Erreger, der sich in der Zecke befindet, wurde erst 1981 von Willi Burgdorf, einem Schweizer Zoologen entdeckt und ist daher noch wenig erforscht. Eine Impfmöglichkeit gibt es bislang noch nicht. Die gute Nachricht: Wird die Lyme-Borreliose erkannt, ist sie mit Antibiotika gut zu behandeln.

Symptome

Es kann Tage bis Wochen, Monate - in Ausnahmefällen Jahre - dauern, bis die Krankheit ausbricht. Viele Beschwerden, die durch eine Lyme-Borreliose auftreten, gibt es auch bei anderen Krankheitsbildern. Die Krankheit ist nicht immer leicht festzustellen, da - selbst wenn Borrelien im Blut nachgewiesen werden - es zu keinem Krankheitsausbruch kommen muss. Offensichtlich werden viele Menschen allein mit dem Erreger fertig. Sie erkranken nicht. Je nach Region können bei 7 - 10 % der Bevölkerung Borrelien im Blut nachgewiesen werden sowie bei bis zu 30 % der Waldarbeiter.

  • Frühsymptome:
    Unspezifische Allgemeinsymptome (Abgeschlagenheit, Konzentrationsprobleme, Schwindelattacken), Schwellungen der Lymphknoten, „Sommergrippe“, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Magen- und Darmbeschwerden, Fieber (nicht in allen Fällen); einige Tage bis etwa 10 Wochen nach dem Stich bildet sich eine Hautrötung (meist an der Zeckenbissstelle) und breitet sich kreisförmig aus. Das Frühstadium irritiert Patienten und Arzt aber auch mit folgenden Symptomen: Bauchschmerzen, Bindehaut-Entzündungen, Bronchitis, Durchfall, Entzündungen der Lymphbahnen, Erbrechen, Gelenkschmerzen, Gewichtsabnahme, Haarausfall, Herzklopfen, Missempfindungen an Armen und Beinen, Nackensteifigkeit, Rückenschmerzen, Schluckbeschwerden, Schweißausbrüche, Schwindelattacken, Trockenheitsgefühl im Hals und Übelkeit. Diese Symptome tauchen nicht alle zeitgleich auf, sondern durchaus rasch wechselnd. Das erschwert dem Arzt die schnelle Diagnose. Bleibt das Frühstadium unentdeckt und unbehandelt, kann die Infektion in ein zweites oder chronisches (drittes) Stadium mit schweren Spätfolgen übergehen.
  • Spätsymptome:
    Sie können einzeln, zu mehreren oder zusammen Wochen bis Monate nach der Infektion auftreten, auch ohne vorausgehende Frühsymtome. Schwere Organsymptome, erhöhter Ruhepuls, Gelenkentzündungen an einem oder mehreren Gelenken - die in ein rheumatisches Krankheitsbild mit chronischerosiver Arthrites übergehen können (sog. Lyme-Arthrites - springt von Gelenk zu Gelenk), entzündliche Erkrankung des Herzmuskels, Hautveränderungen (besonders an den Extremitäten), neurologische Syndrome, die zum Teil sehr schmerzhaft sein können, Krankheits-Erscheinungsbilder eines Schlaganfalls, wie Lähmungserscheinungen, Hirnnervenausfälle, auch Gesichtslähmungen sind bekannt. Bei vielen Betroffenen treten Sehstörungen auf. So können zum Beispiel alle Teile des Auges von Borrelien besiedelt und entzündet sein.

Borrelien können sich schnell über den gesamten Körper ausbreiten. Eine Diagnose ist schwierig. Vor allem dann, wenn der Patient sich weder an einen Zeckenstich erinnert, noch eine vorausgegangene Wanderröte erinnert.

Nicht selten kommt es zu einem spontanen Zurückgehen der Krankheitsbilder. Dadurch wird die Situation für die Betroffenen noch schwieriger, häufig werden sie als Hypochonder abgewimmelt oder als depressiv abgestempelt. Zu verwirrend erscheinen und verschwinden Symptome. Nicht selten folgt eine Odyssee von Arzt zu Arzt.

Die Diagnose einer Lyme-Borreliose lässt sich am zuverlässigsten nach den Symptomen und der Krankheitsgeschichte stellen. Doch eines ist dabei besonders wichtig: Borreliose ist eine Krankheit, die der Arzt dem Patienten glauben muss. Hilfreich dabei ist das Führen eines Symptome-Tagebuches. Gerade weil diese Krankheit so viele Facetten zeigt, verhilft die schriftliche Auflistung der Beschwerden und Linderungen zu mehr Glaubwürdigkeit.

Berufskrankheit Borreliose

Bei Förstern, Schäfern und Jägern ist die Borreliose als Berufskrankheit anerkannt. Aber auch Lehrer auf Schulausflügen, Gärtner, Kindergärtner/innen, Reise-Journalisten und jeder, der sich während der Arbeitszeit einen Zeckenstich zugezogen hat, sollte seine Ansprüche bei der gesetzlichen Unfallversicherung (zum Beispiel Berufsgenossenschaft) geltend machen.

FSME-Impfung

Es gibt zwei Impfschemata. Einmal die klassische Standardimpfung und die sogenannte Schnellimpfung. Diese kann kurzfristig angewendet werden, wenn zum Beispiel eine Reise in ein Risikogebiet bevorsteht.

Selbsthilfegruppen

Der Bundesverband Deutscher Borreliose-Selbsthilfeorganisationen, Hamburg, schätzt, dass es rund 500.000 chronisch Borreliosekranke in Deutschland gibt. Die meisten haben sich mit ihrem Schicksal abgefunden. Ein großer Teil organisierte sich in rund 30 Selbsthilfeorganisationen, die Erfahrungen und Forschung um ihre Krankheit sowie kompetente Ärzte und Gutachter bündeln und austauschen.

In Schleswig-Holstein gibt es die Borreliose Selbsthilfegruppe Westküste und Mittelholstein. Sie wird auch von der IKK Nord unterstützt. Darüber hinaus gibt es in Heide und Rendsburg offene Gesprächsgruppen von betroffenen Frauen und Männern jeden Alters.

Fragen und Antworten

Als weiterführende Information stellen wir Ihnen einige Fragen und die passenden Antworten zum Thema FSME und Borreliose bereit. Die Fragen wurden der IKK Nord im Rahmen des IKK-Gesundheitstelefons durch Anrufer gestellt.

Fotohinweis: © Astrid08 PantherMedia.net

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