Nierenerkrankungen

Nierenerkrankungen

Das Organ

Rechts und links neben der Lendenwirbelsäule liegen die beiden bohnenförmigen Nieren. Sie sind jeweils etwa halb so groß wie eine Hand und müssen täglich ununterbrochen Schwerstarbeit leisten. Die Nieren filtern das Blut und sorgen dafür, dass Stoffwechselprodukte, die nicht mehr benötigt werden, ausgeschieden werden. Auch Umweltgifte und die Abbauprodukte von Medikamenten werden bei der Gelegenheit mit ausgespült. Damit erfüllen die Nieren eine lebensnotwendige Aufgabe als Entgiftungszentrale des Körpers.

Die IKK Nord wird zukünftig alle diejenigen Patienten noch besser versorgen, die unter (beginnendem) Nierenversagen leiden. Dazu wurde zwischen der Dialysen S-H GbR und der IKK Nord ein IV-Vertrag zur Förderung der Prävention dialysepflichtiger Niereninsuffizienz für Versicherte mit Wohnort in Schleswig-Holstein abgeschlossen. Die Verhandlungen für einen entsprechenden Vertrag in Mecklenburg-Vorpommern laufen bereits.

Im Rahmen dieser Vereinbarung arbeitet die IKK Nord sehr eng mit den Hausärzten und den Nieren-Fachärzten (Nephrologen) zusammen. Dabei sollen folgende Ziele erreicht werden:

  • Vermeidung des Fortschreitens der Niereninsuffizienz
  • Zeitpunkt des Beginns der Dialysepflicht nach hinten verschieben
  • Erhaltung der Lebensqualität

Durch diese Vereinbarung erhalten eingeschriebene IKK Nord-Versicherte eine bestmögliche Versorgung. Hausärzte und Nephrologen arbeiten eng zusammen, wobei die Nephrologen die Koordination der Therapie übernehmen. So können auch in Notfällen (z.B. akute Krankenhauseinweisung) Nieren schädigende Diagnose- und Therapiemaßnahmen vermieden werden. Gleichzeitig wird gewährleistet, dass notwendige Medikamente zu für die Patienten kostengünstigen Bedingungen angeschafft werden können.

Für Fragen zu diesem Vertrag und die Einschreibung in diese Form der Versorgung stehen Ihnen die Gesundheitsfachleute der IKK Nord gern zur Verfügung. Vereinbaren Sie einen telefonischen Beratungstermin unter der kostenfreien Service-Telefonnummer 0800 4557378 oder Sie senden einfach eine verschlüsselte E-Mail mit dem vorbereiteten Kontaktformular.

Wie funktionieren die Nieren?

Die Aufgabe der Nieren besteht hauptsächlich darin, den Flüssigkeitshaushalt des Körpers zu regulieren und die Menge der darin gelösten Stoffe konstant zu halten. Um das zu gewährleisten, filtern die Nieren das Blutplasma. Etwa 180 Liter Filtrat entstehen auf diese Weise, das allerdings zum größten Teil wieder in den Blutkreislauf zurück geführt wird. Denn nur etwa 1 bis 1,5 Liter Flüssigkeit wird pro Tag über die Blase ausgeschieden. Darin sind all die Stoffe gelöst, die im Laufe des Stoffwechsels entstanden sind und vom Körper nicht mehr benötigt werden, z.B. Harnstoff und Harnsäure.

Zusätzlich zur Ausscheidungsfunktion haben die Nieren noch Aufgaben im Hormonhaushalt. So wird dort z.B. ein Hormon gebildet, das für die Bildung der roten Blutkörperchen mit verantwortlich ist. Auch das für die Knochen notwendige Vitamin D (eigentlich ein körpereigenes Hormon und kein Vitamin im engeren Sinne) wird in den Nieren gebildet.

Etwas geht an die Nieren?

Die Nieren leiden still mit, wenn der Körper krank ist. Kein Wunder, dass sich der Hinweis „etwas geht an die Nieren“ im Sprachgebrauch durchgesetzt hat.

Nierensteine und Nierenbeckenentzündungen sind häufige Erkrankungen der Niere. Typisch dafür sind Rückenschmerzen, die auch krampfartig sein können und in Richtung Blase ausstrahlen. Nierenentzündungen können häufig noch von Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen, von Sehstörungen und Hautausschlägen begleitet werden. Wird solch eine Entzündung nicht vollständig ausgeheilt, können Teile der Niere dauerhaft in ihrer Funktion eingeschränkt sein.

Was passiert beim Nierenversagen?

Beim Nierenversagen (Niereninsuffizienz) werden Stoffwechselprodukte nicht mehr ausreichend aus dem Blut herausgefiltert und bleiben im Körper. Diese Stoffwechselprodukte können sich in allen Organen ansammeln und so zu einer schleichenden Vergiftung führen. Eine Niereninsuffizienz kann akut auftreten, z.B. durch einen Schock nach einem Unfall. Sie kann sich aber auch schleichend entwickeln, z.B. aufgrund eines fortgeschrittenen Diabetes oder eines unbehandelten Bluthochdrucks oder nach einer unentdeckten Nierenentzündung (siehe oben). Dann werden die kleinen Blutgefäße in den Nieren nicht mehr richtig durchblutet, so dass sie ihre Filterfunktion nicht mehr richtig ausüben können. Zu Beginn wird die Krankheit aufgrund der Laborwerte festgestellt, ist die Nierenerkrankung fortgeschritten, dann können Appetitlosigkeit, Atemnot, Mundgeruch und Blässe erste Anzeichen für eine beginnende Vergiftung sein.

Der Verlauf von Nierenversagen wird in vier Phasen bzw. Stadien eingeteilt:

  1. Im ersten Stadium ist die Nierenleistung normal und man kann nur durch die Laborwerte eine Leistungseinschränkung erkennen. Im Körper werden noch keine harnpflichtigen Substanzen angesammelt.
  2. Im zweiten Stadium nimmt die Urinausscheidung deutlich zu und es werden harnpflichtige Substanzen (Serumkreatinin und Serumharnstoff) im Blut gefunden.
  3. Das dritte Stadium der Niereninsuffizienz zeigt sich durch eine deutliche Steigerung der harnpflichtigen Substanzen im Blut und es treten Zeichen von Krankheit, z.B. Entzündungen, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Übelkeit, auf. Die Urinausscheidung verringert sich wieder - und zwar auf Werte bis zu unter einem halben Liter pro Tag. Ödeme an den Knöcheln und den Beinen zeigen, wo sich die nicht ausgeschiedenen Körperflüssigkeiten ablagern.
  4. Im vierten Stadium verringert sich die Urinausscheidung noch weiter und die harnpflichtigen Substanzen im Blut erhöhen sich noch stärker. Vergiftungserscheinungen machen sich bemerkbar. Spätestens jetzt ist eine Dialyse, eine Blutwäsche, notwendig.

Wie kann man Nierenversagen vorbeugen?

Da Bluthochdruck und Diabetes die Hauptursachen für das Nierenversagen sind, sollten diese beiden Krankheiten unbedingt vermieden werden. Wenn Sie schon unter einer der beiden Krankheiten leiden, dann sollten die Zucker- und Blutdruckwerte medikamentös gut eingestellt sein. Besprechen Sie sich mit Ihrem Arzt, wie Ihre individuelle Therapie aussehen muss, damit sich beides nicht verschlimmert. Daneben schadet auch Nikotin der Durchblutung der Nieren, die dadurch ihre Arbeit nicht mehr zuverlässig erledigen können.

Das heißt also: Bewegen, bewegen und nochmals bewegen und dazu auf eine gesunde, vollwertige Ernährung achten. Damit tun Sie nicht nur Ihrem Körper rundum etwas Gutes, sondern Sie bauen gleichzeitig Stress ganz einfach durch Bewegung ab. Wenn Sie außerdem nicht rauchen - oder es sofort abstellen - entlasten Sie Ihre Nieren und beugen ganz nebenbei vielen anderen Erkrankungen vor.

Blasenentzündungen oder Nierenentzündungen sollten Sie unbedingt frühzeitig und angemessen behandeln lassen, damit sich die Entzündungen nicht festsetzen und auf Dauer zu einem bleibenden Nierenschaden führen.

Speziell die Schmerzmittel wie Ibuprofen und Diclofenac stehen in dem Ruf, die Nieren zu schädigen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt dazu beraten und versuchen Sie, die Einnahme von Schmerzmitteln langfristig zu vermeiden.

Welche Ernährungsregeln müssen beachtet werden?

Je nach der Erkrankung, die das Nierenversagen ausgelöst hat, und nach dem Schweregrad der Niereninsuffizienz richtet sich die medizinische Therapie - und auch die Ernährungsempfehlungen. Ziel der Ernährungstherapie ist es, den zumeist erhöhten Blutdruck zu normalisieren, Wassereinlagerungen abzubauen und harnpflichtige Substanzen im Blut zu verringern. Wichtige Ansprechpartner sind Ihr Hausarzt / Ihre Hausärztin sowie die Mitarbeiter der Diätberatung und/oder Ernährungsberatung. Deren Empfehlungen sollten unbedingt eingehalten werden, damit die Nierenerkrankung nicht noch weiter fortschreitet.

Spezielles Augenmerk wird auf die Eiweiß-Aufnahme gelegt, denn eine Verminderung von Eiweiß im täglichen Speiseplan kann das Fortschreiten der Nierenerkrankung verlangsamen und dadurch auch den Beginn der Dialyse hinauszögern. Deswegen wird eine vorwiegend vegetarische Ernährung empfohlen, in der Eiweiß vorwiegend aus pflanzlichen Quellen aufgenommen wird. So ist z.B. eine Kombination aus Kartoffeln und Ei sehr hochwertig - das „Bauernfrühstück“ erscheint dann doch gleich in einem neuen Licht. Der tägliche Speiseplan kann sehr abwechslungsreich ohne zu viel an Eiweiß gestaltet werden, denn auch Hülsenfrüchte und Fisch liefern wertvolles Eiweiß.

Ganz wichtig ist auch, dass Sie die Phosphataufnahme so weit wie möglich einschränken. Phosphat ist in vielen Fertigprodukten enthalten, so auch im Schmelzkäse und in Limonaden. Lesen Sie also die Zutatenliste vor dem Einkauf sehr gut und verzichten Sie auf Nahrungsmittel, deren Zutatenliste die folgenden E-Nummern enthält: E 338, E 339, E 340, E 341, E 450a, E 450b, E 450c, E 540, E 543, E 544.

Ist die Nierenerkrankung bereits fortgeschritten (Stadium 3) sollten kaliumreiche Lebensmittel, dazu zählen Frischgemüse, frische Kartoffeln, trockenes und frisches Obst, Obst- und Gemüsesäfte, Nüsse, Schokolade und Vollkornprodukte im täglichen Speiseplan reduziert werden. Werden nämlich aufgrund der eingeschränkten Nierenfunktion die Kaliumwerte im Blut zu hoch, drohen Herzrhythmusstörungen. Obst, Gemüse und Kartoffeln sollten allerdings nicht täglich fehlen - da hilft dann der Griff zu den Konserven. Durch die vorherige Zubereitung ist die Kaliummenge bereits reduziert.

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