Osteoporose

Osteoporose

Einleitung

Wer rastet, der rostet - was für Eisen der Rostfraß ist, ist für die Knochen die Osteoporose. Dabei wird die Knochensubstanz abgebaut, und die Knochen brechen schon bei kleinsten Belastungen. Doch diese Krankheit kann heute gut behandelt werden. Wer rechtzeitig vorbeugt, erhält seine Knochengesundheit bis ins hohe Alter und erspart sich damit viel Leid. Die Krankheit entsteht schleichend und hängt mit der Veränderung der hormonellen Situation im Laufe des Alterns zusammen.

Wir haben hier für Sie Tipps und Informationen zur Vermeidung und Behandlung von Osteoprose zusammen getragen - diese gelten für Jung und Alt, für Mann und Frau. Denn Osteoporose ist nicht mehr nur eine reine "Ältere-Frauen-Krankheit".

Gut 200 Knochen geben dem menschlichen Körper Halt und Struktur. Große und kleine, lange und kurze Knochen haben von Kopf bis Fuß ihre Aufgaben: Sie schützen die empfindlichen Organe und sie stützen uns beim Stehen, Sitzen und Laufen.

Jeder Knochen besteht aus einer stabilen Knochenrinde und einem innenliegenden Geflecht von Knochenbälkchen. So kann mit verhältnismäßig wenig Material und Gewicht eine hohe Festigkeit erreicht werden. Sie alle sind von einer dünnen Knochenhaut umgeben und haben ein eigenes Versorgungssystem, durch das sie mit Nährstoffen versorgt werden.

Knochen brauchen Vitamin D

Damit Knochen stabil bleiben, wollen sie gut versorgt werden. Das passiert durch die Zufuhr von Nährstoffen in die Knochensubstanz während der täglichen Bewegung. Denn die Bewegung sorgt dafür, dass über die Knochenhaut und das knocheneigene Versorgungssystem neue Nährstoffe herantransportiert und verbrauchtes Material abgeführt werden kann.

Im Knochenstoffwechsel wird u.a. Kalziumphosphat von knochenbildenden Zellen in die Knochen hineingebaut. Das muss fortwährend geschehen, denn gleichzeitig wird das Kalzium aus dem Knochen abgebaut und vorübergehend für andere Zwecke verwendet - es muss also wieder eingefügt werden. Etwa 20 Gramm Kalzium werden bei einem Erwachsenen pro Tag aus den Knochen ausgebaut und müssen wieder eingefügt werden.

Ob genügend Kalzium für den Knochenstoffwechsel zur Verfügung steht, kann im Blutbild nicht abschließend geklärt werden. Denn der Körper sorgt dafür, dass für die lebenswichtigen Funktionen von Herz und Kreislauf immer genügend Kalzium im Blut vorhanden ist. Nur dann, wenn ausreichend Kalzium aufgenommen wurde, kann es auch den Knochen (wieder) zur Verfügung gestellt werden - andernfalls wird die Knochensubstanz nach und nach abgebaut. Es entsteht Osteoporose.

Damit der Einbau stattfinden kann, wird das Hormon Vitamin D benötigt. Vitamin D kann über die Nahrung aufgenommen werden, mit Nahrungsergänzungspräparaten zusätzlich zugeführt werden und vom Körper selbst gebildet werden. Dazu braucht der Körper Sonne.

Knochensubstanz

Bis etwa zum Alter von 40 Jahren werden die Knochen aufgebaut und stabilisiert. Danach verlieren sie im ganz normalen Alterungsprozess jährlich etwa 0,5 % ihrer Substanz. Funktioniert die oben beschriebene Versorgung der Knochen nicht optimal, dann kann es zu Lücken in der Knochensubstanz kommen. Die Knochen können dann unter Belastung brechen. Wobei auch nur bei einem heftigen Niesen oder unglücklichem Abstützen Knochen brechen können. Besonders im Winter, wenn ältere Menschen stürzen, heißt die Diagnose häufig: Oberschenkelhalsbruch - das kann eine schwerwiegende Folge von langjähriger, zumeist unbemerkter, Osteoporose sein.

Ursachen und Risiken

Bei vielen Menschen funktioniert der Knochenstoffwechsel nicht so wie er soll. Das kann unterschiedliche Ursachen haben, von denen wir Ihnen hier die häufigsten vorstellen:

  • Alterungsprozess
    Im Laufe der Zeit verlieren die Knochen ganz natürlich an Substanz. Dabei spielt besonders bei Frauen die Hormonumstellung während der Wechseljahre eine große Rolle. Aber auch ältere Männer sind inzwischen zunehmend von Osteoporose betroffen: ca. 20 Prozent der Osteoporosepatienten sind Männer.
    Besonders Menschen, die in ihrer Jugendzeit ihre Knochensubstanz nicht kräftig genug aufbauen konnten, können im Laufe ihres Alterns an Osteoporose erkranken. Das betrifft sehr häufig Frauen, die in ihrer Jugendzeit Essstörungen entwickelt hatten und sehr dünn waren.
  • Bewegungsmangel
    Bewegung hilft dabei, den Knochenstoffwechsel in Schwung zu bringen und die Knochen ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Durch die Muskelarbeit wird an den Knochen zusätzlich gezogen, gezerrt und gedrückt und damit die Stabilisierung der Knochenstruktur auch noch mechanisch unterstützt. Wem Bewegung fehlt, dessen Knochenstoffwechsel wird nicht ausreichend gefördert.
  • Rauchen
    Wer raucht, schadet seinem Körper an vielen Stellen: Das Immunsystem leidet, Herz, Lunge und Kreislauf erhalten nicht genügend Sauerstoff und die Knochen können nicht ausreichdend versorgt werden. Denn das Nikotin und die übrigen Tabakinhaltsstoffe drängen sich schleichend in den Stoffwechsel hemmen und vergiften auf Dauer den ganzen Körper. Wer in jungen Jahren anfängt zu rauchen, hemmt den in der Zeit besonders aktiven Knochenaufbau. Wer darüber hinaus weiter lange raucht, stört auf Dauer den Knochenstoffwechsel und riskiert Osteoporose.
  • Ernährungsfehler
    Damit Knochen stabil sind, benötigen sie Kalzium und Phosphat. Das wird über die Ernährung zugeführt. Zu wenig dieser beiden Mineralstoffe in der täglichen Ernährung lässt auf Dauer die Knochen nicht ausreichend stabil werden. Besonders betroffen von Ernährungsfehlern und dem daraus folgenden Kalziummangel sind junge Frauen mit Essstörungen. Sie legen in jungen Jahren schon den Grundstein für eine mögliche Osteoporose.
  • Vorerkrankungen
    Viele chronische Erkrankungen und ihre Behandlung sind bekannt dafür, dass sie im Laufe der Zeit das Risiko für eine Osteoporose erhöhen. So sind Patienten beispielsweise mit rheumatoider Arthritis, Diabetes, Bluthochdruck oder Depression stärker gefährdet als gesunde Personen. Dieses erhöhte Osteoporoserisiko hängt auch mit einer Gruppe von Medikamenten zusammen, die dafür bekannt sind, in den Knochenstoffwechsel einzugreifen: Kortison und seine Abkömmlinge. Sie sollen dazu beitragen, dass Entzündungen im Körper abheilen. Wird begleitend zu einer langfristigen Kortisonbehandlung auch Kalzium verordnet und Bewegung angeraten, kann der Knochenabbau begrenzt werden.
  • Schwangerschaften
    „Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn.“ Davon wussten schon unsere Großmütter zu berichten. Denn während der Schwangerschaft ist der Kalziumbedarf deutlich höher als sonst. Wenn nicht gleichzeitig auf eine kalziumreiche Ernährung geachtet wird, kann während einer Schwangerschaft der Knochenstoffwechsel erheblich gestört werden und dadurch unter Umständen die Basis für eine spätere Osteoporose gelegt werden.

Diagnose

Besonders dann, wenn man sich sozusagen „aus heiterem Himmel“ einen Knochen bricht, fragt der behandelnde Arzt nach Vorerkrankungen oder Risiken, die eine Osteoporose vermuten lassen. In einem ausführlichen Gespräch werden beispielsweise Art und Intensität von Schmerzen und Risikofaktoren abgeklärt. Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung können dann Beweglichkeit und Reaktionsvermögen überprüft werden. Ist eine Osteoporose schon weiter fortgeschritten, kann auch mit einem Röntgenbild die Diagnose gesichert werden. Bei vorliegender Osteoporose erscheinen die Knochen deutlich transparenter als normal.

Behandlung

Wenn aufgrund einer Osteoporose bereits Knochen gebrochen sind, müssen diese Knochen zunächst einmal heilen. Gleichzeitig wird mit verschiedenen Maßnahmen versucht, die Osteoporose zu stoppen und die Knochen wieder zu stabilisieren. Welche Maßnahmen für Betroffene gewählt werden, entscheidet der behandelnde Arzt.

Möglich sind:

  • eine Basistherapie mit Kalzium und Vitamin D für eine Unterstützung des Knochenaufbaus in Form von Tabletten, Brausetabletten oder Pulver; 1.000 mg Kalzium werden dabei i.d.R. verordnet - allerdings darf die gesamte Kalziummenge pro Tag 1.500 mg nicht überschreiten. Betroffene sollten ihren behandelnden Arzt unbedingt über ihre normalen Ernährungsgewohnheiten informieren, damit die richtige Menge Kalzium und Vitamin D festgelegt werden kann.
  • Eine "knochenbewusste" Ernährung enthält viel Kalzium und Vitamin D; sie muss mit der Basistherapie abgestimmt werden, damit es nicht zu einer Überversorgung des Körpers kommt; wichtig sind für Osteoporosebetroffene auch die Vitamine B12 und Folsäure.
  • Die Verordnung von Medikamenten; dazu zählen u.a. Medikamente zum Abbremsen des Knochenabbaus, beispielsweise Bisphosphonate, oder Medikamente zum Knochenaufbau, beispielsweise Kalzitonin.
  • Hormonersatztherapie - für Frauen nach Eintreten der Wechseljahre; Ihr behandelnder Arzt wird Sie ausführlich darüber informieren, ob diese Therapie überhaupt für Sie geeignet ist.
  • Schmerzmedikamente, die besonders nach akuten Knochenbrüchen für eine Schmerzlinderung sorgen und / oder die Muskeln entspannen; die Schmerztherapie kann durch Massagen, Kälte- oder Wärmebehandlungen oder Hydrotherapie unterstützt werden.
  • Die Bewegungstherapie unterstützt die Behandlung durch die mechanische Belastung der Knochen bei der Bewegung; geeignet sind zunächst sanfte Bewegungen, beispielsweise bei Thai Chi, später können mit Trampolinschwingen, Zumba und Aerobic die Knochen stärker gefordert werden.
  • Um (weitere) Knochenbrüche zu vermeiden, wird die Sturzprophylaxe in Form von Bewegungstraining empfohlen; außerdem können die am meisten betroffenen Knochen durch Polster geschützt werden.

Osteoporosebetroffene sollten besonders folgende Tipps berücksichtigen:

  • Nicht (mehr) rauchen.
  • Normalgewicht halten.
  • Verhalten Sie sich rückenschonend, beispielsweise immer mal wieder die Sitzhaltung wechseln und auch bei der täglichen (Haus-)Arbeit immer mal wieder andere Tätigkeiten ausüben, um die Muskeln immer wieder anders zu bewegen.
  • Tauschen Sie durchgelegene Matratzen aus - nach etwa fünf Jahren können Matratzen schon durchgelegen sein.

Vorbeugung

Um gar nicht erst das Risiko einer Osteoporose einzugehen, sollten Menschen, die um ihr Osteoporoserisiko wissen, folgende Tipps berücksichtigen:

  • Die Sonne hat großen Einfluss auf die Bildung von Vitamin D, dem Hormon, das für den Knochenstoffwechsel wichtig ist - gehen Sie also täglich nach Draußen und nutzen Sie das Tageslicht für Ihre Knochenstärkung.
  • Bewegung fördert ebenfalls den Knochenaufbau - üben Sie besonders solche Sportarten aus, die leichten Druck auf die Knochen ausüben, beispielsweise Trampolinschwingen, Tanzen und Nordic Walking mit erhöhtem Krafteinsatz. Außerdem schützen Sie sich vor Stürzen, wenn Sie Sportarten ausüben, die die Koordination und Balance fördern, beispielsweise Thai Chi oder Yoga.
  • Für die Sturzprophylaxe sollten Sie Ihre Wohnung von Stolperfallen freiräumen. Außerdem sollten Sie prüfen, ob Ihre Brille noch richtig angepasst ist und ob Ihre Wohnung ausreichend beleuchtet ist, damit Sie nicht versehentlich anecken und so Knochenbrüche riskieren.
  • Schuhwerk, besonders die Hausschuhe sollten unbedingt passen. Mit schlechtem Schuhwerk können Sie viel leichter stürzen.
  • Stellen Sie Ihre Ernährung auf mehr Knochengesundheit um. Milch und Milchprodukte sind die besten Kalziumlieferanten, außerdem grünes Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Saaten - also lieber das Sesam-Vollkornbrötchen als das Franzbrötchen.
  • Trinken Sie kalziumreiches Mineralwasser.

Weiterführende Informationen

  • Der Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V. bietet u.a. eine Adressenliste der regionalen Selbsthilfegruppen unter www.osteoporose-deutschland.de.
  • Das Kuratorium Knochengesundheit hält viele Informationen rund um die Diagnostik und Behandlung von Osteoporose vor unter www.osteoporose.org.
  • Das National Bone Board dient gleichermaßen als Anlaufstelle für Ärzte als auch für Betroffene und / oder deren Angehörige: www.boneboard.de.
  • Das Portal Gesundheitsinformation.de des Instituts für Qualtität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) stellt umfassende und qualitätsgesicherte Informationen rund um die Behandlung von Osteoprose zur Verfügung unter www.gesundheitsinformation.de.
  • Eine Liste kalziumreicher Lebensmittel findet sich im Gesundheitsportal Onmeda.de unter www.onmeda.de.

Fotohinweis: © Roberto Biasini panthermedia.net