Lebensmittelhygiene

Lebensmittelhygiene

Verbraucher wünschen hohes Maß an Hygiene

Verbraucher wünschen sich sowohl beim Einkauf als auch in den häuslichen vier Wänden ein hohes Maß an Hygiene. Mit Recht, denn ein Mangel an Hygiene kann schwerwiegende Folgen haben. So können z.B. immunschwache Menschen unter bestimmten Umständen an einer Salmonelleninfektion sterben.

Dennoch birgt auch eine übertriebene Hygiene Gesundheitsgefahren. Was ist nun das richtige Maß und wo lauern wirklich Gefahren im Zusammenhang mit Hygiene und Infektionsschutz?

Seit 1997 sind Lebensmittelhersteller und -vertreiber wie Bäcker und Fleischer verpflichtet, jährlich Schulungen zur Lebensmittelhygiene und zum Infektionsschutz für ihre Mitarbeiter durchzuführen. Seit dieser Zeit unterstützt die IKK Nord diese Betriebe durch Schulungsangebote und Beratung der Betriebe sowie deren Mitarbeiter. Aber auch jeder Versicherte kann sich beraten lassen.

Wie wissenschaftliche Studien ergeben haben, werden die Gefahren bei einzelnen Punkten im Haushalt unter- aber auch überschätzt.

Wo lauern mehr krankmachende Keime?

  • Auf der Toilettenbrille?
  • Im Spüllappen?

Tests auf Bakterien haben zu Tage gefördert, dass bei über 80% der untersuchten Spül- und Wischlappen im Haushalt eine starke bis sehr starke Keimbesiedlung vorhanden war. Auf den Toilettenbrillen fanden sich selten Keime in nennenswerter Menge. Dies lässt sich leicht begründen, da Toilettenbrillen trocken sind und Bakterien und Schimmel sich nur im Feuchten vermehren. Es erscheint paradox, dass gerade die Reinigungsutensilien die größten Keimschleudern sind. Deshalb sollte im Haushalt das Augenmerk besonders dorthin gewendet werden, wo sich über längere Zeit Feuchtigkeit hält. Das sind vor allem die Putzutensilien, die leicht vergessen werden und zusammengeknüllt excellente Keimherde darstellen. Aber auch im feuchten Kühlschrank wachsen die Keime, wenn auch durch die niedrigen Temperaturen langsamer. Deshalb den Kühlschrank ganz regelmäßig reinigen. Ebenfalls können Spülbecken, Ausgüsse, Wasserhähne, Gullys und Kompostbehälter aber auch Arbeitsflächen, die nach der Reinigung lange feucht bleiben oder zu selten gesäubert werden, zur Verkeimung beitragen.

Ganz besonderes Augenmerk gilt den eigenen Händen, die ganz maßgeblich an der Verteilung der Keime beteiligt sind. Deshalb regelmäßig Hände waschen und bei der Küchenreinigung nach dem Kochen und bei der regelmäßigen Reinigung besonders Klinken und Griffe von Türen und Schränken besondere Beachtung geben.

In den letzten Jahren drängen Kunden immer mehr darauf, dass Mitarbeiter im Lebensmittelverkauf wie in Bäckereien und Fleischereien Handschuhe tragen. Dabei ist zu bedenken, dass das Tragen von Handschuhen noch nicht zwangsläufig zu einem Mehr an Hygiene führt. Eine Untersuchung im Auftrag der Fleischerei Berufsgenossenschaft hat ergeben, dass das Handschuhtragen gegenüber einem Arbeiten mit der bloßen Hand, die regelmäßig gewaschen wird, keine hygienischen Vorteile bringt. Da aber das Handschuhtragen auf Dauer zu Nachteilen bei der Hautgesundheit des Verkaufspersonals führt, sollten Verbraucher eher darauf hinwirken, dass die Hände regelmäßig gewaschen werden und nicht zu einer Handschuhpflicht drängen. Denn eine geschundene Verkäuferinnenhand kann ebenfalls hygienische Probleme verursachen.

Hygienetipps für den Haushalt und den Einkauf

  • Vor dem Verarbeiten von Lebensmitteln gründlich die Hände waschen, ebenfalls nach dem Toilettengang, nach dem Umgang mit rohen Eiern, nach dem Naseputzen oder Niesen und vor dem Essen.
  • Beim Einkauf darauf achten, dass temperaturempfindliche Lebensmittel beim Transport durchgehend kühl bleiben. Empfehlenswert sind Kühlboxen oder Kühltaschen für den Transport. Besonders im Sommer den Einkauf so planen, dass die Verweildauer der Lebensmittel im heißen Auto möglichst kurz ist. Beim Einkauf auf das Mindesthaltbarkeitsdatum achten.
  • Leichtverderbliche Ware wie Fleisch, Wurst, Fisch, Milch und Milchprodukte, Eier und daraus Hergestelltes im Kühlschrank lagern und bei teilweiser Entnahme den Rest gleich wieder in die Kühlung stellen.
  • Hackfleisch immer am Tag des Einkaufs weiterverarbeiten. Rohe Fleischwaren wie Tartar, Hackepeter oder Carpaccio noch am selben Tag verzehren. Reste müssen am nächsten Tag weggeworfen werden oder noch am selben Tag zur weiteren Verwendung erhitzt werden.
  • Gefrier- (unter -18 °C) und Kühltemperaturen (unter +7 °C) einhalten.
  • Gefrorenes Geflügelfleisch ausgepackt im Kühlschrank unter Verwendung einer Auftauschale auftauen. Auftauflüssigkeit direkt nach dem Auftauen wegwerfen und das benutzte Geschirr gründlich mit Spüllösung reinigen.
  • Fleisch, besonders Geflügel gut durchgaren (mindestens 10 Minuten über 75°C). Gegebenenfalls Bratthermometer verwenden.
  • Speisen nicht lange warm halten, sondern schnell abkühlen oder wieder erwärmen.
  • Verderb anfällige Lebensmittel bedarfsgerecht einkaufen. Bei Obst, Gemüse und Brot auf Frische achten. Bei Schimmel Lebensmittel wegwerfen.
  • Arbeitsflächen, Kühlschrank und Brotkasten regelmäßig reinigen. Flächen gründlich trocknen lassen. Danach auf ein trockenes, sauberes Tuch (z.B. Geschirrtuch oder Küchenkrepp) 5%igen Haushaltsessig geben und damit die Flächen abreiben. Dies beugt Schimmelbildung vor.
  • Schneidbretter aus Holz oder Plastik gründlich reinigen, gut abtrocknen und senkrecht aufgestellt gut nachtrocknen lassen. Plastikbrettchen sind in sofern praktisch, weil sie relativ heiß in der Geschirrspülmaschine gereinigt werden können. Aber auch hier darauf achten, dass sie nach dem Spülen schnell trocknen.
  • Für gekochte und rohe Lebensmittel unterschiedliche Schneidbretter benutzen, da sonst leicht die Keime vom Rohen auf das Gekochte übertragen werden. Bei der Speisenzubereitung darauf achten, dass Gemüse und Rohkost nicht mit rohem Fleisch zusammen geschnitten und verarbeitet werden. Gegebenenfalls. zuerst Gemüse und Rohkost schneiden und danach Fleisch zubereiten. Dazu jeweils neue oder vorher wieder gereinigte Messer benutzen.
  • Bei Verwendung von rohen Eiern gleich nach dem Aufschlagen Schalen entfernen und die Hände gründlich waschen (Salmonellengefahr). Eier im Kühlschrank im verschlossenen Eierkarton oder einem anderen verschlossenen Behältnis getrennt von anderen Lebensmitteln lagern.
  • Beim Grillen für rohes und gegartes Fleisch unterschiedliche Gabeln und Zangen verwenden.
  • Geschirrtücher, Küchenhandtücher, Spüllappen, Wischlappen, Schwammtücher, Spülbürsten, Reinigungsschwämme und andere Reinigungsutensilien regelmäßig (alle 2- 3 Tage) wechseln und gründlich reinigen. Nach jedem Gebrauch so aufhängen, dass sie schnell trocknen. Lappen und Tücher in der Waschmaschine bei 60°C unter Verwendung einer Waschmittels mit Bleichanteilen (dient der Desinfektion) waschen, hin und wieder in der Waschmaschine oder in einem Kochtopf auskochen. Bürsten lassen sich gut mit in die Spülmaschine legen. Lappen, die unangenehm riechen, weisen auf eine sehr hohe Keimbelastung hin und zeugen von einem schlechten hygienischen Standard.
  • Zum Spülen und Reinigen reichen im Haushalt vollkommen einfache handelsübliche Geschirrspülmittel und Allzweckreiniger. Desinfektionsmittel sind nicht zu empfehlen, da Sie überflüssig sind und zu dem dazu beitragen, dass vermehrt Allergien entstehen. Eine Ausnahme bilden Haushalte, in denen ein Dauerausscheider von Salmonellen lebt. In diesem Fall ist auf Anweisung des behandelnden Arztes ein Desinfektionsmittel zu verwenden.