Nahrungsmittelunverträglichkeit

Nahrungsmittelunverträglichkeit

Wann sollte man sich untersuchen lassen?

Bauch- und Kopfschmerzen, Übelkeit, Koliken, Durchfall - wer speziell nach einer Mahlzeit darunter leidet, sollte sich auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit untersuchen lassen. Denn viele Menschen können einzelne Nahrungsbestandteile nicht richtig verdauen, so dass sich einzelne Abbauprodukte im Darm ansammeln und diese Beschwerden verursachen. Dauern die Beschwerden länger, können Gewichtsabnahme und Müdigkeit die Folge sein und auf Dauer leidet das Immunsystem.

Wir haben hier für Sie ein paar Informationen darüber zusammen getragen, wodurch sich Nahrungsmittelunverträglichkeiten von Allergien unterscheiden, was genau bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten im Körper passiert und vor allem, was Sie tun können, um Ihre Beschwerden aufgrund einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zu lindern.

Verdauung

Das Verdauungssystem ist ein schlauchartiges Gebilde, das jeweils oben - der Mund - und unten - der After - eine Öffnung hat. Was oben hinein geschoben wird, wird spätestens nach drei Tagen unten wieder ausgeschieden. Natürlich wird die Nahrung dabei gut durchgearbeitet und alles, was verwertbar ist, wird vom Körper aufgenommen. Was übrig bleibt und auch alles, was nach Stoffwechselprozessen vom Körper wieder an den Darm zurück gegeben wird, wird ausgeschieden. Auf diese Weise versorgt und „entgiftet“ der Magen-Darm-Trakt den Körper gleichzeitig.

Die Passage der Nahrung im Einzelnen:

  1. Im Mund wird beim Kauen die Nahrung grob zerkleinert und mit Speichel versehen. Der Speichel enthält unter anderem das Enzym Amylase, das Stärke aus Brot, Nudeln und Kartoffeln zerkleinert und in für den Darm verwertbare Zucker umwandelt. Mit Hilfe der Zunge wird der Speisebrei solange zwischen den Zähnen bewegt, bis er zum Schlucken die richtige Konsistenz hat. Dann geht’s abwärts durch die Speiseröhre in den Magen.
  2. Im Magen wird der Speisebrei mit Magensaft vermischt. Er enthält sowohl Enzyme als auch Säure, die gemeinsam die Eiweißbestandteile der Nahrung soweit zerlegen, dass sie weiter unten im Dünndarm weiter verarbeitet werden können. Die Arbeit des Magens kann man beim Essen dadurch unterstützen, dass man jeden Bissen gut durchkaut. Außerdem hilft es (nicht nur) dem Magen, wenn genügend getrunken wird, also pro Tag zwei Liter Flüssigkeit. Denn dann kann er auch genügend Magensaft produzieren, um die Nahrung gut zu durchmischen. Je nach Fettgehalt der Nahrung benötigt der Magen bis zu sechs Stunden, um den Nahrungsbrei an den Dünndarm abzugeben.
  3. Zu Beginn des Dünndarms haben die Bauchspeicheldrüse und die Leber ihre Ausgänge. Sie geben Enzyme, alkalische Säfte und Gallenflüssigkeit zu dem Nahrungsbrei, der aus dem Magen kommt. Damit kommt die Weiterverarbeitung der Nahrungsbestandteile richtig in Schwung. Das Enzym Insulin aus der Bauchspeicheldrüse unterstützt die Aufnahme von Zucker in die Zellen und sorgt damit für Energie im Zellstoffwechsel. Weitere Enzyme, die die Bauchspeicheldrüse abgibt sind Lipase, Amylase und Peptidasen. Sie sind für die Aufspaltung von Fetten, Stärke und Eiweiß-Bestandteilen der Nahrung zuständig. Auch die Gallenflüssigkeit aus der Leber hilft, die Fette aus dem Nahrungsbrei auseinander zu nehmen und damit als Energiequelle für den Körper nutzbar zu machen.
  4. Die eigentliche Aufnahme von Nahrungsbestandteilen passiert im Darm. Er teilt sich in den langen Dünndarm und den kürzeren Dickdarm auf. Im Dünndarm wird der größte Teil der verwertbaren Nahrungsbestandteile mit Hilfe von Enzymen aufgenommen. Im Dickdarm werden noch vorhandene verwertbare Bestandteile mit Hilfe von Darmbakterien aufgenommen, dann die Reste eingedickt und ausgeschieden.

    Die Zusammensetzung dieser Reste ist je nach aufgenommener Nahrung unterschiedlich: Wer viel Fleisch ist, dessen Darm braucht länger, um die Nahrungsbestandteile komplett aufzunehmen. Die Ausscheidungen sind fester und dunkler. Wer eine vorwiegend ballaststoffreiche Nahrung mit wenig Fleisch bevorzugt, hat hellere und weichere Ausscheidungen, die zudem öfter stattfinden. Denn der Darm hat seine Füllgrenze eher erreicht als nach hauptsächlich eiweiß- und fettreicher Kost.

Beschwerden

Magen und Darm reagieren empfindlich auf Einflüsse von außen. Dazu zählen sowohl psychische als auch physische Einflüsse. Beispielsweise kann Stress auf den Magen schlagen und Durchfall verursachen. Viele Menschen können nicht genügend Enzyme bilden, um bestimmte Nahrungsbestandteile abzubauen. Das sorgt dann für Ungleichgewichte im Verlauf der Darmpassage des Nahrungsbreis. Die unangenehmen Folgen sind Blähungen, Übelkeit, Bauchkrämpfe, Durchfall, Schmerzen, auch Kopfschmerzen. Später können Müdigkeit und Abgeschlagenheit zunehmen, das Gewicht kann unerwünscht abnehmen und auch das Immunsystem kann leiden, weil der Körper nicht mehr mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt werden kann.

Diagnose

Die Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten kann häufig erst nach mehreren Untersuchungen gestellt werden. Denn zunächst muss ausgeschlossen werden, dass die Beschwerden aufgrund einer akuten Vergiftung bestehen, beispielsweise von Pilzgiften oder verdorbenen Lebensmitteln. Auch eine allergische Reaktion auf Nahrungsbestandteile, beispielsweise auf Kuhmilch oder Hühnereiweiß, muss zunächst ausgeschlossen werden. Wenn Nahrungsmittel zum Beispiel mit unangenehmen Gefühlen in Verbindung stehen, können sie ebenfalls die Symptome wie Unverträglichkeiten hervorrufen. Dann spricht man von pseudo-allergischen Reaktionen - auch sie müssen ausgeschlossen werden. Bluttests und Darmuntersuchungen können sich anschließen. So tastet sich der Arzt im Ausschlussverfahren an die eigentliche Erkrankung heran.

Fruktose-Malabsorption

Bei Menschen mit einer Fruktose-Unverträglichkeit, auch Fruktose-Malabsorption genannt, wird die Fruktose aus der Nahrung nur unzureichend aus dem Darm ins Blut aufgenommen. Diese verminderte Aufnahme beruht auf einer Störung des Enzyms GLUT-5. Die Fruktose wird im Dünndarm deshalb nicht vollständig abgebaut und weiter bis in den Dickdarm transportiert. Die Dickdarmbakterien verarbeiten die Fruktose, es entstehen Wasserstoff (messbar mit dem Wasserstoff-Atemtest), Kohlendioxid und kurzkettige Fettsäuren. Diese Abbauprodukte sind die Ursachen für Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen.

Der Wasserstoff-Atemtest bringt eine gewisse Sicherheit für die Diagnose einer Fruktose-Unverträglichkeit: Der Test beruht auf dem Umstand, dass die Darmbakterien bei ihrer Aktivität Wasserstoff ausscheiden. Während im gesunden Darm das Zuckerabbauprodukt bereits vorher über die Darmwand in den Körper abtransportiert wird, bleibt es bei einer Unverträglichkeit im Darm und wird von den Darmbakterien verstoffwechselt. Dabei entsteht deutlich mehr Wasserstoff als bei Gesunden. Dieser Wasserstoff kann gemessen werden.

Fruktose steckt hauptsächlich in Früchten, aber auch in Honig und vor allem in vielen Fertigprodukten. Denn Fruktose hat den - für die Nahrungsmittelindustrie - unschätzbaren Vorteil, dass er süßer schmeckt als (Haushalts-)Zucker. Deswegen heißt es beim Einkaufen aufpassen: die Inhaltsstoffe Fruktose (oder Fructose) sollten bestenfalls ganz hinten in der Zutatenliste aufgeführt werden. Ansonsten drohen nach dem Verzehr dieses Nahrungsmittels Bauchschmerzen.

Auch Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit nutzen das gleiche Transportsystem wie Fruktose. Wer also unter Fruktose-Malabsorption leidet, der sollte beim Einkauf von Nahrungsmitteln um solche mit dem Aufdruck „zuckerfrei“ einen Bogen machen.

Ist Glucose, also Traubenzucker, im Produkt enthalten, hilft sie die Verdauung von Fruktose zu unterstützen. Deswegen können Betroffene immer noch kleine Mengen Fruktose aufnehmen und müssen deswegen nicht auf alle Obstsorten verzichten.

Laktose-Intoleranz

Bei einer Laktose-Intoleranz können Betroffene den Zucker aus Milch, Laktose, nicht in seine Einzelteile aufspalten. Es fehlt ihnen das dafür notwendige Enzym Laktase. Die Ursachen für das Fehlen können unterschiedlich sein, beispielsweise ein angeborener Mangel oder eine schwere Erkrankung. Sicher ist jedoch, dass die Laktose-Intoleranz weltweit stark verbreitet ist und nur in Nordeuropa eher die Ausnahme ist. So bieten in den USA die Supermärkte eine noch größere Auswahl an laktosefreien oder -reduzierten Nahrungsmitteln als bei uns. Und in den Ländern Afrikas und Asiens sind Milchprodukte kaum verbreitet.

Wer unter einer Laktose-Intoleranz leidet, sollte milchzuckerhaltige Nahrungsmittel von seinem Speiseplan streichen. Dazu zählen sämtliche Milchprodukte wie beispielsweise Milch, Quark, Joghurt, Frischkäse und Milchspeiseeis. Auch sehr viele Fertigprodukte enthalten Laktose, da sie häufig aus technischen Gründen im Produkt eingesetzt wird - ein Blick auf die Zutatenliste gibt darüber Auskunft. Achten Sie dabei auf Begriffe wie Laktose, Laktosemonohydrat und Molke. Für Naschkatzen betrüblich zählen auch Kuchen, Kekse, Nuss-Nougat-Creme und Schokolade zu den laktosehaltigen Fertigprodukten. Betroffene und ihre Angehörigen sollten sich von Ernährungsfachleuten dazu beraten lassen und dabei eine Positiv- und Negativliste der für sie geeigneten Nahrungsmittel geben lassen.

Da speziell Milch und Milchprodukte in unserer Ernährung eine große Rolle für die Kalziumversorgung spielen, muss die Kalziumaufnahme über andere Nahrungsmittel gesichert werden. Gute Kalziumquellen sind grüne Gemüse wie Grünkohl, Spinat, Mangold und Brokkoli, Hülsenfrüchte und Nüsse. Darin ist gar keine Laktose enthalten. Die Hartkäsesorten wie Parmesan oder Emmentaler sind ebenfalls sehr gute Kalziumquellen - allerdings nur für die Betroffenen, die noch geringe Mengen an Laktose vertragen können. Hilfreich für eine abwechslungsreiche Ernährung sind die laktosefreien oder -reduzierten Produkte: Milch, Joghurt, Quark und Käse können dann ohne Bedenken verzehrt werden.

Wer beispielsweise aufgrund einer vorwiegend vegetarischen Ernährungsweise nicht auf Milchprodukte verzichten möchte, kann das fehlende Enzym auch mit Laktase-Tabletten ersetzen. Das bietet sich für Betroffene auch dann an, wenn sie nicht genau wissen, was in der Mahlzeit enthalten ist: bei Einladungen oder in der Kantine.

Laktosefreie Produkte

Als laktosefrei gelten Produkte mit weniger als 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm Nahrungsmittel. Um die Laktose zu entfernen, wird die Milch in der Molkerei mit dem Enzym Laktase behandelt. Die Laktase stammt aus Schimmelpilz- (Aspergillus) oder Hefe-Kulturen (Kluyveromyces). Das Enzym spaltet die Laktose in seine beiden Zuckerbestandteile Glucose und Galaktose. Da beide Zuckerarten etwas süßer sind als Laktose, schmeckt auch die Milch etwas süßer als normale Milch. Anschließend wird die Milch erhitzt und damit die zugesetzte Laktase deaktiviert. Gleichzeitig wird die Milch pasteurisiert oder ultrahocherhitzt. Aus dieser laktosefreien Milch können dann weitere Milchprodukte wie Sahne, Joghurt, Quark, Mozzarella oder Frischkäse hergestellt werden. Laktosefreie Produkte gibt es sowohl in normaler als auch in Bioqualität.

Gluten-Intoleranz (Zöliakie)

Gluten-Intoleranz ist eine chronische Erkrankung, die bei genetisch veranlagten Menschen im Laufe des Lebens auftreten kann. Sie ist unter dem Krankheitsnamen Zöliakie bekannt und lässt den Körper empfindlich auf Gluten, dem Klebereiweiß in Getreide, reagieren. Das Gluten greift die Schleimhaut des Dünndarms an, so dass sie sich entzündet und in ihrer Funktion beeinträchtigt. Die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Nahrungsbrei wird erschwert. Es kann zu einer Unterversorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen, und den Energielieferanten Kohlenhydrate und Fette kommen.

Betroffene können nur mit einer glutenfreien Ernährung diese Krankheit in den Griff bekommen und damit schwere Folgeerkrankungen wie Dünndarmkrebs vermeiden - das bringt allerdings große Einschränkungen in der täglichen Ernährung mit sich. Alle Produkte, die Getreide bzw. Getreideerzeugnisse aus Weizen, Gerste, Roggen, Hafer und anderen Getreidearten enthalten, sind für sie tabu: der panierte Fisch, das Roggenbrot, Bier und Müsli in ihrer herkömmlichen Art müssen vom Speiseplan gestrichen werden. Als Ersatz werden in den Bio-Abteilungen der Supermärkte und in Reformhäusern viele Produkte mit dem Symbol „glutenfrei“ angeboten.

Gluten-Unverträglichkeit

Immer mehr Menschen vertragen Weizen und andere Getreide nicht so gut - allerdings haben sie medizinisch nachgewiesen weder eine Zöliakie noch eine Allergie. Bei bis zu 20 Prozent der Patienten, die unter Reizdarm leiden, wird solch eine Gluten-Unverträglichkeit bzw. Gluten-Sensivität angenommen. Diesen Patienten wird nach der Diagnose empfohlen, für etwa zwei Wochen eine glutenfreie Diät einzuhalten. Bessern sich dabei die Beschwerden, kann von einer Gluten-Unverträglichkeit ausgegangen werden. Im Laufe der Folgezeit tasten sich diese Betroffenen ganz langsam wieder an glutenhaltige Nahrungsmittel heran, um herauszufinden, ob die Symptome wie Bauchschmerzen und Durchfall wiederkehren. Vollständig und lebenslang auf Getreide zu verzichten, davon wird diesen Betroffenen ausdrücklich abgeraten. Auch sollte niemand den Selbstversuch eigenständig unternehmen, auf glutenhaltige Nahrungsmittel zu verzichten. Damit würde der Gesundheit in diesem Fall mehr geschadet als genutzt.

Therapie

Bei diesen hier vorgestellten Unverträglichkeiten gibt es für die Therapie eine Gemeinsamkeit: Betroffene sollten unbedingt den Auslöser der Erkrankung aus der täglichen Ernährung streichen. Also keine laktose-, fruktose- oder glutenhaltigen Nahrungsmittel mehr. Speziell dann, wenn gleichzeitig Unverträglichkeiten gegen mehr als einen dieser Stoffe vorliegen, ist ein Umdenken beim Einkaufen und Kochen erforderlich. Hilfestellung leistet eine individuelle Ernährungsberatung, die Betroffenen vom Arzt verordnet wird. Unter Umständen werden auch Medikamente, beispielsweise Kortison, verordnet, um zu Beginn der Therapie den Heilungsprozess unterstützend zu begleiten. Regionale Selbsthilfegruppen unterstützen ebenfalls bei der Nahrungsumstellung und beim Umgang mit der Erkrankung im Alltag.

Weiterführende Informationen

  • Weitere Informationen sowie ein ausführliches Video zu neuen Diagnosemöglichkeiten in Hinsicht auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten erhalten Sie auf www.ndr.de.
  • Eine umfangreiche Beschreibung der Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie verschiedener Nahrungsmittelunverträglichkeiten finden Sie auf www.netdoktor.de.
  • Ernährungstipps und Rezepte für Betroffene mit den häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten finden Sie auf www.chefkoch.de.
  • Das Portal Nahrungsmittel-Intoleranz bietet viele Tipps und Blogeinträge von Fachleuten und Betroffenen zu verschiedenen Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf www.nahrungsmittel-intoleranz.com.
  • Betroffene mit einer Gluten-Intoleranz (Zöliakie) finden Wissenswertes rund um ihre Krankheit und die richtige Ernährung auf dzg-online.de.
  • Der Deutsche Allergie- und Asthmabund e.V. bietet ebenfalls Informationen über Nahrungsmittelunverträglickeiten auf www.daab.de.

Fotohinweis: © Elena Schweitzer panthermedia.net